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Mittwoch, 29. April 2026

28.04.2026 - Auf der Reeperbahn nachts um viertel vor elf...

Dienstag abend, 22.30 - ich verlasse zusammen mit Kerstin das Tivoli auf der Reeperbahn. Wir hatten einen unterhaltsamen Abend mit Gerburg Jahnke und Gästinnen und verabschiedeten uns voneinander. Das Wetter war an diesem Tag gut und so hatte ich die Chance genutzt, mit dem Rad auf den Kiez zu fahren. Entsprechend musste ich dann natürlich nach dem Theater-Besuch auch wieder nach Hause radeln. Nicht schlimm, zum einen sind es ja nur knapp 10 km, auf denen ich über tatsächlich einigermaßen brauchbare Radwege an gut beleuchteten Hauptstraßen entlang fahren kann. Sogar die Reeperbahn hat inzwischen eine komplette Radfahrer-Spur (gut, die müssen sich Radler mit Bussen teilen - aber hey, was soll da schon schief gehen? 😉)  Also Helm auf, Handschuhe und signalfarbene Jacke an und ab geht die Fahrt. In knapp 35 Minuten wollte ich entspannt zu Hause ankommen. 

Doch schon nach etwa 500 m in Höhe Talstraße stutze ich - vor mir machen 3 oder 4 Autos einen Schlenker nach rechts und fahren ein kurzes Stück auf dem Radweg, ehe sie wieder auf Ihre Spur zurück fahren. Nanü? Was ist da denn los? Als ich an dieser Stelle ankomme, sehe ich etwas auf der Straße liegen. Auf den zweiten Blick erkenne ich, dass dort ein Mensch liegt! Ohne groß zu überlegen bremse ich, stelle mein Fahrrad auf dem Radweg ab und gehe auf die Straße. Der Mensch ist ansprechbar, liegt auf dem Rücken und kann nicht aufstehen. Problem: Er liegt mitten auf der Fahrbahn - und es kommen reichlich Autos. Ich überlege: wie bekomme ich den Mann von der Straße und verhindere zeitglich, dass wir beide von einem Auto erfasst werden? Zum Glück kommt nach 1, 2 Minuten schon ein junger Mann dazu, der sich erkundigt, ob ich Hilfe brauche. Ich deute auf den liegenden Mann und erkläre, dass er Hilfe braucht, ich aber erstmal verhindern wolle, dass hier jemand angefahren wird. Er versteht, nimmt Kontakt zu dem Liegenden auf und spricht mit ihm während ich die näherkommenden Autos um uns herum leite und den "Super-GAU" verhindern möchte. Ich weiß nicht, ob er die Autos im Blick behält oder ob er sich darauf verlässt, dass ich ihm "den Rücken frei halte". Kurz danach hält endlich ein Auto an, der Fahrer steigt aus und fragt ebenfalls, ob wir Hilfe benötigen. Ja, die benötigen wir. Währenddessen ist hinter mir noch ein junges Pärchen dazu gekommen, die Frau spricht mit dem Verletzten. Sie stellt ihm Fragen, sie beruhigt ihn und macht das sehr, sehr gut. Der Mann hat sich inzwischen etwas aufgerichtet und erklärt, dass er gerade eine Operation hatte. Er zieht sein T-Shirt hoch und zeigt seinen Bauch. Sie nimmt das zur Kenntnis und spricht weiter beruhigend mit ihm. Vielleicht hat sie einen medizinischen Hintergrund? Ich weiß es nicht und werde es auch nicht erfahren. Der junge Mann, der zuerst da war, ruft in der Zwischenzeit einen Krankenwagen. Der Autofahrer, der angehalten hatte, stellt sein Warndreieck auf der Fahrbahn auf auf, um weitere Aufmerksamkeit zu schaffen. Es kommen mehr Menschen dazu. Ich nutze kurz die Gelegenheit, mein Fahrrad vom Radweg holen und neben mir auf die Straße stellen - Rucksack, Handy... alles war offen am Rad, das fast auf dem Gehweg stand und natürlich auch nicht abgeschlossen war. 

Und dann kommt der erste Polizeiwagen, kurz danach ein zweiter. Die Polizisten sperren die Fahrspurt, sichern die Unfallstelle richtig ab und kommen zu uns. Wir werden gefragt, was passiert wäre, ob wir was gesehen haben. Ich, die als erste zur Stelle war, konnte dazu nur sagen, dass ich eben beim Vorbeifahren auf den auf der Straße liegenden Menschen aufmerksam geworden bin und angehalten habe. Warum und wie lange er da schon lag? Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Spielt aber auch keine große Rolle. 

Die Besatzung des zweiten Streifenwagens kommt dazu. Eine Polizistin schaut kurz auf den noch immer am Boden liegenden Menschen. Sie sagt: "Den kennen ich. Das ist xxx, er ist obdachlos und hält sich hier in der Großen Freiheit oft auf. Er ist gesundheitlich vorbelastet, hat eine xxx." Das hatte schon ein bisschen Großstadtrevier-Vibes. 😉
Die Polizisten sagen zu uns: "Wir übernehmen hier, wir kümmern uns. Danke für Ihren Einsatz und die Hilfe." Ich werfe noch einen letzten Blick auf den am Boden liegenden Mann und erinnere den Autofahrer, dass er sein Warndreieck nicht vergessen soll. Er bedankt sich bei mir für den Hinweis und geht los. Die Frau, die so beruhigend mit dem Verletzten gesprochen hat, bedankt sich bei mir, dass ich angehalten habe. Ich bedanke mich bei ihr für die Hilfe. Die Menschenansammlung löst sich still und leise auf. Jeder verschwindet in die Richtigung in die er eigentlich sowieso wollte. Ich schnappe mir mein Fahrrad und setze meinen Heimweg fort. Ich bin erleichtert - aber auch nachdenklich mit vielen Fragen, die mir auf den nächsten Kilometern wieder und wieder durch den Kopf gehen: 
Was wäre passiert, wenn ich nicht disen Weg genommen sondern woanders entlang gefahren wäre? Habe ich richtig reagiert? Oder hätte ich besser/anders reagieren können? Wo kamen die Leute so plötzlich her? War ich der auslösende Faktor, dass sie dazu kamen und halfen? Was passiert jetzt mit dem Mann? Wie geht es ihm? Wie gut war die junge Frau, die sich um den Mann gekümmert und mit ihm gesprochen hat? Warum zur Hölle hat von den Autos vor mir niemand angehalten? Haben die echt nicht gesehen, dass dort ein Mensch lag? 
Mein Gedankenkarussel rast, wild und unaufhaltsam - eine Runde nach der nächsten. Bis ich zu Hause ankam und meine "Geschichte" loswerde. Da wird es langsamer und reduziert das Tempo.

 Natürlich witzle ich jetzt darüber, dass es gar nicht auf meiner Bingokarte für 2026 stand, nachts auf der Reeperbahn einen verletzten Menschen auf der Straße zu finden - aber auch jetzt, rund 24 Stunden nach dem Erlebnis, beschäftigt mich das alles sehr. Immer wieder gehe ich Gedanken die Situation durch, frage mich ob zu leichtsinnig war, mich da einfach auf die Straße zu stellen und die Autos aufzuhalten. Ja, vielleicht war es leichtsinnig. Aber es ist ja gut gegangen. Wäre es schlau gewesen, die Autos nicht an der Stelle vorbei zu winken sondern eines anzuhalten, um so die Unfallstelle abzusichern? Ja, wahrscheinlich wäre das wirklich gut gewesen - aber ich bin eben nicht darauf gekommen. Und außer mir eben auch kein anderer. 

Vor etwas mehr als einem Jahr, im März 2025, habe ich meinen letzten Ersthelfer-Lehrgang gemacht. Sicher hätte ich gewusst, dass die Devise gilt, sich selbst nicht zu gefährden, also im Falle eines Falles erst mich und dann den Verletzten in Sicherheit zu bringen. Eine stabile Seitenlage hätte ich bei Bewusslosigkeit des Menschen hinbekommen und sicher wäre mir auch eingefallen, dass ich laut und gezielt nach Hilfe hätte rufen müssen, falls niemand unaufgefordert dazu gekommen wäre. Einen Notruf abzusetzen wäre auch kein Problem gewesen. Ich denke, ich hätte einigermaßen funktioniert, das Gelernte einigermaßen abgerufen ohne mir großartig Gedanken über mögliche Fehler zu machen. 
Das ändern aber alles nichts daran, dass ich froh und dankbar bin, eben, weil so viele Leute "einfach" dazu gekommen sind, die unaufgefordert geholfen und Verantwortung übernommen haben. Das ich in der Situation eben nicht allein war.
 
2027 ist die Auffrischung des Ersthelfer-Lehrgangs fällig. 2025 wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie schon mal in einer Notsituation waren und erste Hilfe leisten mussten. Bislang habe ich diese Frage mit "Nein" beantwortet. Beim nächtsten Mal wird die Antwort "Ja!" lauten und ich kann berichten, dass ich mich nicht in die Situation nicht unsicher oder unwohl gefühlt habe. Und ich kann sagen, dass ich nicht allein gelassen wurde, dass fremde Menschen zusammen standen und geholfen haben! 
 
Das ist wirklich ein gutes Gefühl. Das nehme ich mit. 
💗
 
Alles Gute für den unbekannten Mann. Ich hoffe, Du kommst wieder auf die Füße. Und ich wünsche Dir, dass Dir im Falle eines erneuten Notfalls wieder helfende Hände schützend zur Seite stehen!  

Donnerstag, 15. Februar 2024

15.02.2024 - Support your local dealer...

 Ich bin großer, bekennender "Support your local-Dealer-"Freund und versuche, möglichst viele Dinge im stationären Handel zu kaufen, ehe ich online bestelle. Das hat mehrere Gründe: 

1) Probiere / Fasse ich Dinge, für die ich Geld ausgebe, gern an 
2)  Möchte ich auch morgen und übermorgen noch die Möglichkeit haben, einfach so in Geschäften in der Nähe einzukaufen
3) Finde ich, dass Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen, unterstützt werden müssen. 
Diese Liste liesse sich noch weiter fortführen, aber das sind jetzt erstmal die wichtigsten Faktoren. 

Heute allerdings wurde mein Wunsch, lokal zu kaufen komplett torpediert - ich wurde Amazon quasi direkt in die Arme getrieben. 

Und das kam so: 
Bei unserem LKW ist eine Glühbirne defekt, ein Rücklicht funktioniert nicht. Nun haben wir einen gelernten KFZ-Mechaniker unter unseren Kollegen und der sollte/wollte diese Birne schnell austauschen. Leider passte das Leuchtmittel, das sich noch bei uns im Schrank befand, nicht und so ging er kurz ins nahegelegene Bauhaus um eine Birne zu kaufen. 
 
Bauhaus führt allerdings die benötigte Birne nicht "Zu geringe Nachfrage, LKW haben eine andere Voltzahl, das lohnt nicht, die auf Vorrat zu halten." 
 
Das kann ich nachvollziehen und so überlegten wir, wo wir denn jetzt auf die Schnelle eine Birne herbekommen könnten. 
 
"Ah, vielleicht bei Matthies. Die werben doch damit, der zuverlässige Partner für die Kfz-Reparaturbranche zu sein. Ich ruf da mal kurz an und frag nach." 
 
Also ab auf die Homepage und nach einer Telefonnummer gesucht. 
Irgendwann fand ich dann auch eine Kontaktnummer und landete in der Zentrale bei einer sehr freundlichen Mitarbeiterin. 
Sie fragte dann nach unserer Kundennummer und diese Frage konnte ich schon einmal nicht beantworten. Wir kaufen dort alle Jubeljahre einmal ein paar Kanister AdBlue für den Eigenbedarf aber der letzte Einkauf liegt bereits längere Zeit zurück. 
Also wurde ich in die Buchhaltung weiter geleitet, wo man anhand unserer Adresse herausfinden wollte, ob wir eine Kundenummer haben. 
Ich wollte wohlgemerkt immer noch nur wissen, ob man in den Niederlassungen von Matthies grundsätzlich die LKW-Leuchtmittel führt.
In der Buchhaltung wurden dann alle möglichen Adressdaten abgefragt: Postleitzahl, Straßenname, Hausnnummer, Firmenname, Telefonnummer ... um dann letztlich doch festzustellen, dass wir KEINE Kundennummer haben.
 
"Okay, dann hat unser Unternehmen also kein Kundenkonto. Können Sie mir bitte trotzdem sagen, ob Sie den benötigten Artikel im Sortiment haben?"
"Nein, das kann ich leider nicht, ich bin ja in der Buchhaltung tätig und habe keinen Zugriff auf die Artikelverfügbarkeit."
"Vielleicht können Sie mich dann mit jemandem verbinden, der mir die gewünschte Info geben kann?"
"Nein, das nützt nichts, denn wenn Sie keine Kundennummer haben, können wir Ihnen grundstätzlich keine Auskunft zu unserem Sortiment geben."
"Aha. Und wie finde ich dann raus, ob wir den Artikel bei Ihnen kaufen können."
"Nun, Sie können in eine unserer Filialen fahren. Dort bekommen Sie die Info."
"Also sollen wir in eine Niederlassung fahren um dann ggfls. zu erahren, dass wir den benötigten Artikel NICHT bekommen?"
"Ja."
"Ihnen ist aber schon bewusst, dass Sie mich damit jetzt direkt zu Amazon treiben?" 
"Nein, wieso?" 
... 
 "Vielen Dank für Ihre Mühe. Einen schönen Tag noch."


Ich habe jetzt letztlich ein 5'er Pack der passenden Glühbirnen bei Amazon bestellt - 8,99 € netto inkl. Versand. 

Und ehrlich: Ich hätte für eine einzelnde Birne auch 12,95 € im Geschäft um die Ecke bezahlt. 
Nur, ob ich beim nächsten Mal wieder Lust und Zeit für Recherche und Telefonate habe, das weiß ich nicht so genau. 😟



Donnerstag, 26. Oktober 2023

26.10.23 - Das wär's jetzt...

Au ja, einfach so Me-Myself-And-I-Time zum Seele baumeln lassen und runter kommen, treiben lassen, abschalten, rumdoofen und nur schöne Dinge tun. Und dazu vielleicht noch etwas Sonne... das wär's!

Foto = Instagramaccount Kreideaufbeton

Mittwoch, 5. Mai 2021

Mai 2021 - Wie Corona mich in Bewegung bringt

Ein Satz, der ja gerade regelmäßig zu hören und zu lesen ist, ist:

Das macht was mit einem.

Ich deute das für mich so: Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen, trotz Stillstand und "Ausnahmezustand" verändert sich vieles, nimmt einen mit und alle sind eingeschränkt/traurig/wütend/genervt/emotional/ausgelaugt/müde/erschöpft/enttäuscht/einsam/gestresst/überlastet/am Rande des Nervenzusammenbruchs und so weiter...

 Fakt ist, dass die Situation, in der wir uns ja nun schon seit über einem Jahr befinden, an niemandem spurlos vorbei geht. Keiner kann sich dem entziehen und das Leben führen, dass er kennt/mag/will/gewohnt ist. Das hat sicher viele Nachteile aber vielleicht auch für den einen oder anderen Menschen auch Vorteile . ich möchte das gar nicht bewerten. Ich denke, jeder vermisst etwas, hat Sehnsucht nach "Normalität" - wie immer man die für sich auch definieren möchte.

Ich persönlich bin jetzt seit Mitte März 2020 in Kurzarbeit und habe entsprechend ungewohnt viel Zeit, die ich nicht im Büro verbringe. Auf das Berufliche möchte ich an dieser Stelle aber bewusst nicht weiter eingehen - die Situation ist, wie sie ist. Sie ist für ich (gelinde gesagt) bescheiden und es besteht in "meiner" Branche aktuell auch nicht viel Aussicht auf schnell, zeitnahe Besserung. Doch wie gesagt, das soll hier nicht das Thema sein. Darüber zermartere ich mir schon genug den Kopf - hier möchte ich mich dem Thema "Freizeit-Gestaltung in Zeiten von Corona" widmen. 

Im Normalfall stehen bei mir etwa 40-50 Arbeitsstunden pro Woche an. Und außerhalb der Arbeitszeit ist mein Kalender mit Trainingseinheiten, Treffen mit Freunden und sonstigen Freizeitaktivitäten wie Sport-Events, Theater, Konzerten etc. gut bis sehr gut gefüllt. Ich bin viel unterwegs, viel unter Menschen, habe sowohl beruflich als auch privat wohl mehr Action als Couch-Momente. Und ich mag das, ich mag meinen gefüllten Kalender, ich mag Trubel und Abwechslung und ich mag auch sehr gern Menschen um mich herum haben.

Der 1. Lockdown brachte im März 2020 schon einen krassen Wandel mit sich. Nix mehr mit Sport, Freude treffen etc. Die Eishockey-Saison wurde von jetzt auf gleich beendet und auch Sport-Veranstaltungen, Theater und Konzerte fielen natürlich aus. Man verbrachte sehr viel Zeit zu Hause. Das konnte ich da noch recht gut. Das Wetter war ja schon ab Mitte März wunderbar sonnig, die Temperaturen stiegen und man ging ja irgendwie auch noch davon aus, dass wir einigermaßen schnell mit dem Thema "Corona" durch sind und dann wieder in die Normalität zurück kehren können. Ach, wie man sich doch irren kann...? Damals putze man dann noch hochmotiviert seine Wohnung, räumte Keller, Dachboden, Kleiderschrank etc. auf, genoss nebenbei die Sonne und teilte auf seinem Facebook-Profil lustige Sprüche wie diesen hier: 

Und dann dauerte und dauerte und dauerte das ... und im Dezember 2020 gab es nicht einmal Weihnachtsmärkte. :-( Und die ganze Scheixxe dauert ja leider noch immer an. Im Sommer 2020 wurde uns dank sinkender Infektions-Zahlen (oder wie wir ja nun mittlerweile alle wissen dank "sinkender Inzidenzien") wieder ein wenig mehr Freiheit zugestanden. Immerhin durften sich bis zu 10 Personen treffen - aber die bekannte Normalität war das natürlich noch nicht. 

Aber weil man sich ja irgendwie beschäftigen muss (insbesondere wenn man eben so unfassbar-ungewohnt viel freie Zeit hat), fängt man an, "merkwürdige" Dinge zu tun. Bei mir heißt diese "merkwürdige" Sache: BEWEGUNG. Ja, ich spiele schon zig Jahre Eishockey und treibe entsprechend auch regelmäßig Sport. Aber ich bin Torwart und entsprechend lauffaul. Und wenn ich Sport treibe, dann brauche ich den Gruppenzwang, die Mannschaft, die Gemeinschaft, das Wissen, dass "die" ohne mich (also ohne Goalie) nicht richtig vernünftig trainieren können. Dann kann ich mich auftraffen und bin gern dabei. Aber so "Einzelsport"? Also allein aufraffen und dann laufen, radfahren o.ä.? So ganz ohne Mit- bzw. Gegenspieler? Ohne Wettbewerbscharakter? Ohne Challenge? Wo soll denn da der Reiz sein? Aber ... ich schrieb es eingangs ja bereits: Corona macht was mit einem!

Im Frühjahr 2020 habe ich mir ein SUP gekauft, also ein Stand Up Paddling-Board. Hier war Yvonne "schuld", denn sie hatte "vorgelegt" und sich ebenfalls ein Board gekauft. Damit hatte ich mit ihr dann einen "SUP-Buddy", mit dem man zusammen die Wasserstraßen unsicher machen konnte. Und da ist es wieder: zusammen! In den letzten Jahren hatte ich das Paddeln schon ein paar Mal ausprobiert, mir dazu dann jeweils stundenweise ein Board gemietet und Gefallen an dieser Art von Entschleunigung gefunden. Man steht da auf seinem Brett, sucht (und findet im Idealfall) sein Gleichgewicht, paddelt dann mehr oder weniger entspannt durch die Gegend und beobachtet die Langschaft. Dabei kann man seinen Gedanken prima nachhängen und fast jederzeit eine Pause machen, in der man die Beine dann ins Wasser hängt. Wirklich eine tolle Sache! Ich habe im Sommer 2020 also viel Zeit auf meinem Board verbracht - allein und in Begleitung die Alster und die Bille unsicher gemacht und so sehr viele Sonnenstunden genießen können. Ich glaube, so braun gebrannt war ich zuletzt, als ich noch in die Schule ging und in den Sommerferien aufgrund der geografischen Lage meines Heimatsortes an der Lübecker Bucht 6 Wochen ununterbrochen an (und in) der Ostsee verbringen konnte. Ich denke, die Anschaffungkosten für das SUP habe ich in diesem Jahr definitiv schon eingepaddel und könnte dann nächstes Jahr in die Gewinnzone kommen. ;-) 

Und wenn ich im Sommer nicht auf dem SUP stand, dann bin ich Fahrrad gefahren. Osdorfer Feldmark, Elbstrand, Volkspark, Klövensteen, Elbufer... ich habe etliche Kilometer zurück gelegt und nicht nur die nähere Nachbarschaft kennen gelernt. Dabei habe ich zum Beispiel auch die nützliche Erkenntnis gewonnen, dass es zwar toll ist, in Blankenese an die Elbe zu fahren (parallel zum Treppenviertel), man aber nicht vergessen sollte, dass man die Berge dann auch wieder irgendwie wieder hoch muss... 😕

Zum Glück gibt es ja moderne Technik, mit der man Zeit, Geschwindigkeit und Distanz mitschneiden kann - und wenn man plietsch ist, dann kommt man auch von Anfang an auf die Idee, die App zu starten. Bin ich aber offensichtlich nicht. Und so kann ich zwar sagen, dass ich rund 48 Stunden auf dem SUP stand und dazu noch mindestens die gleiche Zeit auf dem Rad - aber es handelt sich nur um geschätzte Zahlen, weil mir die Idee mit dem Tracken leider doch erst später kam. Was für ein Anfängerfehler - aber der passiert mir jetzt im Jahr 2021 definitiv nicht mehr. Da bin ich jetzt deutlich konditionierter. 

Außerdem haben wir uns mit den Eishockey-Mädels vom HSV regelmäßig zum Sommertraining getroffen - damals, als man das gerade mal durfte - mit penibel geführten Anwesenheitslisten, reichlich Abstand und literweise Desinfektionsmittel. Wir sind da dann rund um die (abgetaute) Eisfläche gerannt, haben Spaß mit der Koordinationsleiter gehabt und uns auf dem Beton Scheiben zugespielt. Angesichts der Sommer-Temperaturen floss da viel Schweiß und trotzdem war es schön. Auch, weil es nach dem Training dann auf dem Parkplatz in Stellingen sogar noch ein Parkplatz-Getränk gab. Klar, der Elektolyte-Haushalt muss ja stimmen. Auch da hielten wir uns an die geltenden Regeln, hielten mindestens 2 m Abstand zur Nebefrau und mussten entsprechend laut reden - aber man hatte Menschen um sich herum. ... hatte schon fast einen Hauch von Normalität. 

Im August habe ich mir dann eine günstige Smart-Watch gekauft. Nix dolles, ein Billig-Modell vom Discounter - aber sie hat eben einen integrierten Schrittzähler. Wie pratisch. Klar, das Handy hat die Funktion auch, aber das habe ich eben nicht immer bei jedem Schritt am Mann bzw. an der Frau. Mein Tageslimit setzte ich mal ganz bescheiden auf 6.000 Schritte - und wollte mal sehen, ob sich dieses erreichen liess. In der dazugehörenden App gibt es immer einen grünen Balken im Kalender - und da will man doch auf gar keinen Fall Lücken haben. Also entwickelte ich einen gewissen Ehrgeiz, möglichst jeden Tag die Mindestanzahl zu erreichen und dies gelang mir seitdem tatsächlich bislang jeden Tag. Es gibt seit dem Kauf der Uhr keinen Tag ohne grünen Balken - und ja, mein innerer Monk findet das tatsächlich sehr befriedigend. ;-) 

Im Herbst wurde es dann leider langsam zu kühl zum Paddeln, jedenfalls, wenn man so ein Schönwetter- SUPper ist wie ich, der keinen Neoprenanzug besitzt. Also stand ich nicht mehr auf flüssigem, warmen Wasser sondern tauschte den Untergrund gegen kaltes, gefrorenes Wasser - die Rückkehr auf das geliebte Eis stand an. 

Schon Mitte Juli ging es in der Saison 2020/21 erstmals mit den Hobbymannschaften in der Hamburger VoBa auf's Eis. Klar, es war doof, dass wir die Kabinen nicht nutzen durften und die Halle erst 5 Minuten vor Trainingsbeginn betreten werden durfte. Aber wir waren brav und uns eben vor der Halle auf dem Parkplatz um und wackelten dann in der Arena in voller Montur die Treppen zur Eisfläche hinunter. Gerade für Goalies ein ganz besonderes Vergnügen. Ein Pinguin bewegt sich da graziler und eleganzer als ich. Aber *hey* - wir durften aufs Eis, wir durften trainieren und wir durften Eishockey spielen. Da bringt man dann eben auch mal Opfer. Später ab Oktober durften wir beim Vereinstraining in Stellingen sogar die Kabinen benutzen. ja, wir mussten nach dem Training alles desinfizieren, per QR-Code ein- und auschecken und in der Kabine und auf dem Weg zur Eisfläche eine Maske tragen. Aber *hey* - wir durften aufs Eis, wir durften trainieren und wir durften Eishockey spielen.

Seit Anfang November 2020 dürfen wir jetzt wieder nicht mehr auf's Eis. Nachdem die Saison 2019/20 im März plötzlich von jetzt auf gleich abgebrochen wurde, hat Corona uns die Saison 2020/21 gleich komplett genommen. Es gab seitdem keine einzige Eiszeit mehr und ob und wann es wieder losgehen wird, steht aktuell auch noch in den Sternen. Ich persönlich hoffe inständig, dass wir wenigstens im Herbst 2021 wieder in irgendeiner Form loslegen dürfen. Denn auch, wenn ich oft über das Training und die komischen Eiszeiten gemeckert habe, vermisse ich den Sport, die Mannschaftskollegen, das ganze Drumherum und vielleicht auch das Kabinenbierchen doch sehr. 

So (mannschafts-)sportlos mit einem Schrittzäher ausgestattet musste also ab November wieder eine Form der Bewegung her. Zum Paddeln war es mir eindeutig zu kalt und Fahrradfahren in meiner absolut-nicht-atmungs-aktiver Regenjacke macht auch nur bedingt Spaß. Aber was tun? Youtube-Videos anschauen und im heimischen Wohnzimmer nachturnen? Och nö, lass mal, das ist nix für mich. Aber gefühlt geht ja seit Corona ganz Deutschland spazieren und natürlich ist dieser Trend auch nicht an mir vorbei gegangen. (Haha, was für ein Wortspiel!?!). Also schloss ich mich diesem Trend an und reiße als lauffauler Torwart jetzt auch meine Kilometer ab. 

Direkt hier hinter dem Haus haben wir ein Naturschutzgebiet mit einem See, den man prima umrunden kann. Die einfache, kleine Runde sind knappe 3 km. Selbstverständlich kann man die Runde auch ausdehnen, dann kommt man am Freibad vorbei und kann so auf 5-7 km kommen. Und wenn man dann noch nicht genug hat, dreht man einfach noch eine Runde - und noch eine und noch eine und noch eine. Egal, ob links- oder rechtsherum oder doch erst rechts- und dann gleich nochmal linksherum... man hat quasi unendliche Möglichkeiten. ;-) 

Mitte Dezember kam ich dann auch endlich auf die grandiose Idee, meine Aktivitäten mit der Sportstracker-App zu tracken. Die erste Aufzeichnung datiert vom 21.12. und weist eine Runde von 4,75 km aus. Und dann ist das ein wenig eskaliert, denn seitdem bin ich nahezu jeden Tag losmarschiert und drüccke den Start-Knopf der App. 

Natürlich haben sich seitdem einige "Weggefährten" gefunden, mit denen man sich ganz gezielt zum Spazieren verabredet. Aus regelmäßigen Streifzügen mit Kerstin ist dann bereits Anfang Januar die Idee entstanden, am Nordmarsch teilzunehmen und für die 25km-Distanz zu melden. Der Marsch rund um Hamburg sollte eigentlich am 22. Mai stattfinden, wurde aber aufgrund der Corona-Einschränkungen bereits jetzt auf den 2. Oktober verschoben. Wir nehmen also etwas mehr Anlauf und haben damit mehr Zeit, uns vorzubereiten. Ehrlich gesagt, habe ich doch Respekt vor der Distanz - aber der Ehrgeiz, die Strecke in einer guten Zeit zu schaffen, ist auf jeden Fall da. 

Apropos Vorbereitung: Stand 05.04.2021 habe ich in diesem Jahr (also seit 01.01.2021) 680 Kilometer zurück gelegt und war 129 Stunden unterwegs. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt.

Dabei entdeckt man natürlich viel von seiner Umgebung und bemerkt mittlerweile auch kleine Veränderungen. Bis ich hier täglich meine Kreise drehte, wusse ich zwar, dass auch der Wiese hier hinter dem Haus Kühe leben, hatte aber keine Ahnung, dass die echt neugierig sind, sehr gern an den Zaun kommen und sich streicheln lassen. Und dass in der Osdorfer Feldmark relaxte Rehe und interessierte Eichhörnchen leben, wusste ich so auch noch nicht. Im Januar konnte man plötzlich in einem Winter-Wonderland wandern und für sehr kurze Zeit sogar die Schlittschuhe schnüren und auf dem gefrorenen See seine Runden drehen. (Miese Eisqualität aber geiles Gefühl!). Dann kam die Zeit der Regenjacke und aktuell kann man sehr gut beobachen, wie jeden Tag alles ein bisschen grüner wird weil die Natur gerade richtig Gas gibt.




 
Und wenn ich "meine" Seerunde satt habe, dann weiche ich in den Volkspark, den Jenischpark, den Gosslerpark oder ans Elbufer aus. Ja, man hat hier einige Möglichkeiten - und das ist gut so.
 
Irgendwann hatte ich dann aber das Gefühl, dass die absolvierten Kilometer für Kondition und Ausdauer sicher durchaus förderlich sind, aber die Muskulatur und die Beweglichkeit (sofern sie jemals wirklich vorhanden waren) dennoch nachlassen und abbauen. Dagegen wollte ich ansteuern - aber eben auch hier nicht allein im Wohnzimmer mit Youtube-Video!

Ich glaube ja schon "seit ewig" daran, dass im Leben nichts ohne Grund passiert, und so kam es, dass ich bei Instagram über eine Story von Bella stoplerte, die ich noch aus alten Timmendorfer Eishallen-Gastro-Zeiten kenne und die mittlerweile in London Yoga unterrichtet. Bella bot dort "Lockdown-Yoga-Zoom" an und bestätigte mir auf Nachfrage, dass ihre Stunden auch für Anfänger geeignet sind. Bevor ich es mir anders überlegen konnte, hatte ich mich angemeldet und überwiesen. Und so ging es Mitte Februar für mich mit Yoga los. Das schöne ist, dass es hier einen festen Termin gibt und damit der von mir gewünschte (und offensichtlich auch benötigte) Gruppenzwang herrscht. Klar, auch hier würde das Training ohne mich stattfinden und natürlich kann sich natürlich auch abmelden - aber die Blöße will man sich dann ja auch nicht geben. 

Bei der ersten Stunde erlebte ich tatsächlich zunächst eine positive Überraschung und stellte fest, dass ich doch gar nicht steif wie ein Stock zu sein und tatsächlich noch etwas Muskulatur vorhanden zu sein schien. Auch an den Folgetagen hatte ich überraschenderweise keinen Muskelkater. Toll! Und je länger ich jetzt dabei bin, desto größer wird die "Hassliebe" zu meiner Yoga-Matte. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich Fortschritte einstellen, habe aber dennoch den Ehrgeiz, weiter zu machen. Das ist doch immerhin schon was. Nach der Stunde fühle ich mich gut - auch wenn ich die Meditationsphasen am Anfang und am Ende echt zu ungeduldigt und zu unruhig bin. Aber ich habe gelernt, mein Mikro stumm zu schalten - einerseits als Selbstschutz und andererseits auch, damit die anderen Teilehmer mich nicht fluchen und leiden hören müssen ;-) 

Außerdem haben wir mittlerweile auch mit den Eishockey-Mädels angefangen, via Zoom einmal in der Woche gemeinsam zu trainieren. Jeden Montag treffen wir uns vor dem Rechner und "turnen" uns eine Stunde lang durch die bunte Welt von Stabi- und Kraftübungen. Das Trainingsplan stellen wir abwechselnd selbst zusammen und immer wenn ich an der Reihe bin, schaue ich YouTube-Videos. Ich mag die Videos, in denen man sehen und hören kann, dass der Instruktor seine eigenen Übungen anstregend findet und deshalb schimpfend und stöhnend ins Schnaufen kommt. Das sind dann meist Übungen, die vermutlich auf meinem Trainingsplan eher keine Berücksichtigung finden werden. 😂

Nebenbei haben wir mit den Mädels noch eine Lauf-App-Gruppe gegründet und setzen uns da gemeinsam ein Kilometer-Ziel, das wir gemeinsam innerhalb der Folge-Woche erreichen möchten. Da hauen wir uns also jetzt unsere absolvierten Kilometer um die Ohren und spornen uns so dazu an, möglichst täglich Strecke zu machen. Auch hier hilft der so entstandene "Gruppenzwang" wohl nicht nur mir weiter, denn egal, mit wem man aus der Mannschaft spricht: den meisten Mädels fällt es in der Gruppe doch leichter, sich zu motivieren. 

Tja, was soll ich abschließend sagen, wie komme ich jetzt aus diesem Text hier wieder raus? Keine Ahnung, ich versuche es einfach mal. Ich glaube, so fit wie aktuell war ich lange nicht mehr - und dennoch freue ich mich jetzt schon auf den Tag, an dem wir endlich wieder gemeinsam auf das Eis dürfen und wieder zurück in die Normalität kommen. Ich vermisse die Gemeinschaft, das Miteinander, den Wettkampf, das Kabinenbierchen, den Gruppenzwang und darüber hinaus auch die blauen Flecken und die Maskentreffer (die, die so schön geklingelt haben in meinen Ohren!) Können wir bitte bald wieder in die Normalität? Das wäre schön...

Und apropos schön: Natürlich gibt es jetzt Menge schöner Bilder, die bei meinen Streifzügen entstanden sind. Hier eine Auswahl:



Dienstag, 4. August 2020

04.08.2020 - Warum ich Online-Shopping doof finde...

Ich finde Online-Shopping doof - wirklich! Ich mag weder ebay, noch Amazon und ich eigentlich mag ich auch keine anderen Händler, die in den Tiefen des World Wide Web ihre Waren feilbieten. Ja, ich gucke gern online durch die Shops, gehe auf einen virtuellen Schaufensterbummelund packe auch oft viele Dinge in meinen Warenkorb. Allerdings nur, um dann das Fenster dann einfach zu schließen - OHNE etwas zu kaufen. Und ja, natürlich bestelle ich online regelmäßig Tickets für Veranstaltungen. Aber auch da wähle ich dann lieber die Print-at-Home-Variante, damit ich bloss nicht auf die Lieferung warten muss und einem womöglich noch einem Versanddienstleister ausgeliefert bin.

Zum einen nehme ich die Sachen, die ich kaufen möchte, gern in Augenschein und möchte sie auch anfassen bzw. bei Kleidung auch gern anprobieren. Einige Male ist es mir passiert, dass ich nach einem Einkauf von Qualität und Passform der gekauften Artikel so enttäuscht war, dass ich die gesamte Sendung zurück schicken musste. Zum anderen unterstütze ich durch Offline-Shopping wenigstens im Rahmen meiner Möglichkeiten den lokalen Handel, der eben vor Ort Arbeitsplätze schafft, hier Steuern zahlt und zudem auch Einkaufsstraßen bzw. -center durch sein Geschäft belebt. Support your local Dealer! Aber auch die sofortige Verfügbarkeit der Ware und damit die Unabhängigkeit von Lieferdiensten ist für mich ein absolutes Argument pro "Local-Shopping". Denn gerade wenn ich auf Pakete mit selbstbestellter Ware warte, dann passiert meistens einiges und genau das ist der Hauptgrund für meine Abneigung gegen Online-Shopping.

So ganz lässt es sich auch für mich leider nicht immer vermeiden, online zu bestellen. Vor etwa 2 Jahren habe ich mich z.B. in ein paar grüner Stiefel verliebt, die mir nicht mehr aus dem Kopf gingen und die ich auch nach einigen vielen "Nächten des darüber Schlafens" noch immer besitzen wollte. Einen Shop in der näheren Umgegbung Umgebung hatte dieser Händler leider nicht und eine Rabattaktion, die die Stiefel einigermaßen bezahlbar machte, führte dann letztlich dazu, dass ich eben doch online bestellte. Als Lieferadresse wählte ich meine Firmenanschrift aus, wo die Anlieferung Montag - Freitag zwischen 8-17 Uhr und am Samstag noch zwischen 9-13 Uhr durchgehend möglich ist. Ich versprach mir davon, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Paket dort zugestellt werden könnte größer war als an unserer Privat-Anschrift. Natürlich wollte ich mir damit in erster Linie Hinterlegung und Abholung in der Postfiliale ersparen - ach herrje, was war ich naiv?! 😖
Der Händler schickte mir die Versandbestätigung inkl. Trackingcode für DHL zu und ich war optimistisch, innerhalb der nächsten 2-3 Tage das Paket in Empfang nehmen zu können. Doch denkste, natürlich kam es anders...
Am Freitag bekam ich per Mail die 1. Info von DHL, dass mein Paket nicht zugestellt werden konnte - okay um 18.57 Uhr war wirklich niemand mehr in der Firma anzutreffe. Der 2. Versuch war ebenfalls erfolglos: Samstag, 16.43 Uhr. Immerhin konnte ich mir Sonntags noch schnell die Benachrichtigungskarte aus dem Briefkasten der Firma holen, meinem Lieblingsmenschen damit eine Vollmacht ausstellen und ihn bitten, am Montag zu den Öffnungszeiten der Post das Paket abzuholen. Er hat es dann versucht, hatte neben der Vollmacht noch meinen Ausweis, eine Visitenkarte mit meinem Namen und der Firmenanschrift dabei und bekam das Paket dennoch nicht. Erst, als er von mir per WhatsApp noch einen Screenshot des Paket-Trackingverlaufes zugeschickt bekam, liess sich die Post-Dame dann doch noch erweichen und händigte ihm mein Paket aus. Gratis gab es von ihr dann noch die spitze Bemerkung dazu, dass Pakete mit einer Firmenanschrift eigentlich gar nicht bei der Post hinterlegt werden dürften. Letztes war mir aber herzlich egal, hatte ich doch nach etwas über gut 2 Wochen endlich meine bestellten und so herbeigesehnten Schuhe erhalten. Zum Glück waren Qualität und Passform so gut, dass keine Rücksendung nötig war. 😊


Vorletzte Woche hatte der Lieblingsmensch dann selbst wieder einmal online bestellt und meine Firmenanschrift (mit meinem Namen versehen) als Lieferanschrift verwendet. Der Online-Händler hatte es tatsächlich geschafft, (s)eine Bestellung auf 3 verschiedene Pakete aufzuteilen, von denen zudem noch zwei mit DHL und eines mit Hermes verschickt wurde. Die Zustellung des Pakets durch Hermes klappte erstaunlicherweise reibungslos, aber natürlich sollte es mit DHL nicht so laufen. Das erste DHL-Paket konnte angeblich am Mittwoch in der Firma nicht zugestellt werden, gleiches dann am Donnerstag nochmal. Aber da gab es dann immerhin eine Benachrichtigungskarte, die ich Freitag fand und mit der ich nach Feierabend zum Postamt wollte. Am Freitag packte ich zu Feierabend die Karte ein, als der Lieblingsmensch mir mitteilte, dass er gerade bei der Post gewesen wäre und das Paket abgeholt hätte - ohne Ausweis, Vollmacht, Benachrichtigungskarte... einfach so mit, mit ganz viel Überredungskunst. Okay... ich war jetzt zwar noch kurz versucht, trotzdem zur Post zu fahren und auf Herausgabe meines Pakets zu drängen, nahm von diesem Vorhaben dann aber doch wieder Abstand. 😉 Wenigstens das dritte Paket wurde regulär und ohne Komplikationen zugestellt - dass ich es dann 2 Tage lang in der Firma vergass, das ist eine andere Geschichte... 🙈


Und der aktuelle Höhepunkt, der eindeutig eine weitere Verstärkung meiner Abneigung gegen die Abhängigkeit von Versand-Dienstleistern zur Folge hat, folgt jetzt. Dazu muss ich allerdings doch ein wenig ausholen und die Vorgeschichte erzählen:
Zum Geburtstag bekam ich einen wunderbaren Schaukelstuhl für unsere Terrasse geschenkt und unter diesen wollte ich jetzt gern noch einen Outdoor-Teppich legen - einfach so, zur Schonung der Kufen, außerdem natürlich wegen der Optik, fein farblich abgestimmt und natürlich aus Bock. Seit Ende Juni machte ich regelmäßig virtuelle Schaufenster-Bummel um mal so zu sehen, was es in der Richtung so alles gibt. Muster, Größen, Formen, Farben... Letzte Woche Mittwoch waren wir dann in der Wohnmeile Halstenbek unterwegs und haben dort sämtliche Möbelgeschäfte abgeklappert. In keinem der Geschäfte gab es einen Teppich, der optisch auch nur annähernd in die gewünschte Richtung ging. Ihr ahnt es: Ich war gezwungen, online zu bestellen. Es nützt leider nichts, die Alternative war eine teppichlose Terrasse und die fand ich doof. Ich hatte dort ja in Gedanken meinen Teppich schon ausgerollt. Gesagt, getan! Mittwoch abend ging die Bestellung raus und wurde auch prompt rückbestätigt. Der bestellte Teppich war vorrätig und sollte auch direkt am nächsten Tag in den Versand gehen. Soweit, so gut. Am Donnerstag kam dann per Mail die Benachrichtigung, dass das Paket an den Versanddienstleister GLS übergeben wurde und irgendwie hatte ich beim Namen "GLS" ein ungutes Gefühl und definierte die Abkürzung spontan mir "Ganz Lausiger Service". Ich ahnte, dass das eine komplizierte, längere Geschichte werden würde. Und leider täuschte mich mein Gefühl wieder einmal nicht. 😕

Von GSL hatte ich dann per Mail einen Trackingcode bekommen, der besagte, dass mein Paket am Freitag angeliefert werden sollte. An diesem Tag war ich selbst in der Firma und bekam dann gg. 13 Uhr eine Mail, dass man den Empfänger um 11.49 Uhr nicht angetroffen hätte und das Paket deshalb nicht zugestellt werden konnte. AHA! 😠 Weitere Information zum Paketstatus gab es (auch online via Treckingcode) erstmal nicht und so wartete ich ab. Am Montag war ich dann wieder in der Firma und fand über die Sendungsverfolgung heraus, dass das Paket erneut in ein Fahrzeug geladen worden war. Ich ging also davon aus, dass es an diesem Tag einen 2. Zustellversuch geben würde und war noch verhalten optimistisch. Bei meinem Anruf bei GLS wurde mir dann bestätigt, dass mein Paket unterwegs wäre, aber man könne mir leider kein Zeitfenster für die Anlieferung sagen. Die Umwandlung in kontaktlose Hinterlegung am Wunschort sei leider auch nicht möglich, so lange das Paket unterwegs wäre. Okay, das habe ich verstanden. Um 10.55 Uhr hatte sich der Standort-Status meiner Sendung dann allerdings wieder geändert und demnach lag mein Paket jetzt doch wieder im Paketlager in Tornesch. Ich griff also zum Hörer und rief erneut bei GLS an. Nach etwa 15 Minuten in der Warteschlange hatte ich dann wieder einen realen Ansprechpartner am Telefon, der mir mitteilte, dass das Paket wohl wegen eines gravierenden logistischen Problems (das er nicht näher definieren konnte/wollte) wieder im Paketzentrum angekommen wäre. Die Zustellung könnte dann vermutlich unter Umständen vielleicht doch am nächsten Tag erfolgen. Alternativ könnte ich jetzt über die Wegsite eine kontaktlose Übergabe an der angegebenen Lieferadresse veranlassen oder das Paket selbst in Tornesch (ca. 20 km von meinem Wohnort entfernt) abholen. Nein, das wollte ich dann auch nicht. Ich wollte weder, dass mein Paket auf unserem Firmenhof abgelegt wirde noch wollte ich nach Tornesch fahren. Und so hoffte ich darauf, dass das Paket dann am heutigen Dienstag wieder in den Lieferwagen wandern und zugestellt werden würde.... aber denkste. Natürlich wurde mein Paket NICHT wieder verladen, natürlich liegt es noch immer im Paketlager und entsprechend habe ich immer noch keinen Teppich.

Ich bin jetzt mehr als gespannt, wie diese Geschichte endet. Wird es ein Happy End geben? Können wir den Teppich auf der Terrasse ausrollen? Oder gibt es noch böses Blut und bitterböse Mails zwischen mir, GLS und dem Online-Händler? Man weiß es nicht...
Der Online-Händler allerdings scheint entweder gute Erfahrungen mit GLS gemacht zu haben oder ist einfach optimistisch-ignorant. Er bat mich nämlich bereits am vergangenen Freitag per Mail um eine positive Bewertung seines Online-Shops...

(Fortsetzung folgt...)


Montag, 24. Februar 2020

22.02.2020 - Hamburg gg. Hamburg oder: ein zweitklassiges Derby

Da muss ich tatsächlich 46 Jahre (okay, tatsächlich sogar 46 Jahre und 242 Tage) alt werden, bis ich zum 1. Mal in meinem Leben zusammen mit meinem großen, achtundzwanzigjährigen Bruder ins Stadion zum Fußball gehe. Wir waren schon zusammen beim Eishockey, beim Handball, im Theater und auch auf verschiedensten Konzerten - aber beim Fußball waren wir bisher noch nie zusammen.

Zu Weihnachten habe ich ihm ein Ticket für das Spiel der Spiele, das Derby, das Duell um die Stadtmeisterschaft geschenkt:
Hamburger SV - FC St. Pauli

Derbytickets - der Mitgliedsausweis macht's möglich! 

 

Das Spiel wurde für den 22.02.2020 terminiert und Spielbeginn war zur besten Zweitliga-Zeit um 13.00 Uhr angesetzt.
Entsprechend bot es sich an .. nein, es drängte sich quasi auf, den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück zu beginnen. Das taten wir dann auch, ehe wir uns gutgelaut und hoffnungsfroh auf den Weg zum Stadion machten. Aufgrund der günstigen Verkehrslage unserer Wohnung am Hamburger Stadtrand wollten wir den HVV nehmen und erfuhren schon bei der Abfahrt, dass die Luruper Hauptstraße gesperrt war und damit auch unsere Haltestelle nicht angefahren wurde und wir deshalb eine Alternativ-Route nehmen mussten. Okay, das taten wir (Viele Busse fahren zum Volkspark!) und kamen gut gelaunt am Stadion an. Der Himmel war zwar grau und kühl, aber immerhin  war es (noch) trocken und unsere Laune war gut. 
Wir waren schnell im Stadion, die Einlasskontrolle war erstaunlich unkompliziert. Wir umrundeten innen kurz das Stadion und schafften den Aufstieg zu unseren Plätzen dicht unter'm Stadiondach (hinter uns war aber doch noch eine Reihe!) sogar ohne Sauerstoffzelt. Dass man von unseren Plätzen die Anzeigetafel gegenüber nicht sehen konnte und deshalb während des Spiels tatsächlich zwischendurch mal einen Blick auf den Liveticker warf, um herauszufinden, wie die Restspielzeit noch war - geschenkt, ich hatte uns ja nur die "billigen" Plätze gegönnt und war beim Erwerb der Karten damals nicht gewillt gewesen, knapp 80 € für Plätze auf der Geraden oben unterm Dach zu löhnen.
Alkoholfrei! 😕
Vor Beginn des Spiels gab es im St. Pauli-Fanblock eine für uns gut sichrbare Auseinandersetzung zwischen Fans und Ordnern, die dann von der (in Massen im Stadion anwesenden) Polizei zum Glück recht schnell beendet wurde - dass aus angrenzenden Blöcken mit Leuchtkörpern auf den Gästeblock geschossen wurde, war aber auch nicht besser.

Vor Spielbeginn gab es eine tolle Choreographie in der Nordkurve. 
Schon schick! 
Und dann begann das Spiel. Der HSV erwischte einen gute Start, setzte St. Pauli unter Druck, war die meiste Zeit in Ballbesitz und hatte gute Chancen - die dummerweise nicht genutzt wurden. Und wie sagte mein Bruder dann so schön? 
"Wollen die jetzt etwa auch mitspielen?" 
Ja, es sah nach etwa 15-20 Minuten tatsächlich so aus, als wolle sich St. Pauli doch nicht mit einfachem Rasenkaputttreten zufrieden gaben... St. Pauli kam besser ins Spiel und hatte eine bessere Chancenverwertung als der HSV - schon mit dem 1. Torschuss fiel das 0-1 und nicht viel später folgte das 0-2. Die Fans im Gästefanblock drehten durch, die HSV-Fans wurden ruhiger. 
Und auch in der 2. Halbzeit wurde es nicht besser. Fehlpass reihte sich beim HSV an Fehlpass und auch wenn man (wie wir) doch vielleicht eine blau-weiße-Fanbrille trägt, braucht man nicht drumherum reden und muss anerkennen, dass St.Pauli in diesem Spiel einfach besser war und nach 90 Minuten verdient jubeln durfte. Und nicht nur das Duell auf dem Rasen hatte St. Pauli gewonnen - meiner Meinung nach war auch der Fanblock deutlich lauter und stimmungsvoller. Schade nur, dass beide Lager nicht auf den Einsatz von Pyrotechnik verzichten konnten... 😡

Passend zum Ergebnis des Spiels goss es wie aus Eimern als wir das Stadion verliessen und zum Bus gingen. Dennoch war die Stimmung im Bus entspannt - selbst 2 St. Pauli-Fans, die sich inmitten von HSV-Fans im Bus wiederfanden, wurde zum verdienten Sieg gratuliert, ehe frotzelnd daruf hingewiesen wurde, dass man nicht einmal ihr Dasein als St. Pauli-Fans so schlimm fände, wie das Bremer Bier (Becks), das sie in den Händen hielten. 
Ach, es kann doch so einfach sein, wenn man erkennt, dass Sport eben doch eine der schönsten Nebensachen der Welt sein kann. 😊

FAZIT:  
Abgesehen vom Ergebnis war das schon ein schöner Tag in sehr netter Begleitung. Aber irgendwie finde ich Fußball dann ja doch etwas langweilig - jedenfalls live im Stadion, wenn man nicht in der Sportschau die Zusammenfassung der spannendsten Szenen guckt... 😉 
Ich freu mich schon auf das nächste Handball- oder Eishockeyspiel. 
Und Aaaaaction! 😎