Wieder und wieder hatte die Reisegruppe Fischerhemd sich gegenseitig auf die Schulter geklopft, seit klar war, dass Deutschland ins Halbfinale eingezogen war. Alles richtig gemacht, als wir in der Diskussion um Reisedatum und Kartenkauf entschieden haben, dass wir Tickets nicht nur für die Haupt- sondern auch gleich für die Finalrunde buchen. Natööööörlich haben wir immer daran geglaubt, dass die deutsche Mannschaft das Halbfinale ereicht, selbstverständlich. Und natööööörlich hat nach der Vorrunden-Niederlage gegen Serbien niemand daran gezweifelt, dass das DHB-Team die Hauptrunde erreichen würde - ich schwör!
Heute war also Halbfinaltag und Deutschland traf auf das Team aus Kroatien, das in der Parallelgruppe den Gruppensieg geholt hatte. In der EM-Vorbereitung hatten beide Mannschaften kürzlich2 x gegeneinander gespielt und beide Male gewann Deutschland. Wir hofften natürlich ganz fest darauf, dass aller guten Dinge drei wären.
An der Halle angekommen, wurde schon per Aushang an den Eingängen darauf hingewiesen, dass es keine Tickets mehr gibt.
>SOLD OUT<
Naja, macht ja nix, WIR hatten ja Tickets. 😎
Die Einlasskontrollen wurden gefühlt überigens von Spieltag zu Spieltag spaßiger, denn an jedes Mal musste man erneut unter Beweis stellen, dass die Tasche das erlaubte Mini-Maß nicht überschritt. Am heutigen Tag wollte der Ordner am Eingang meine Tasche dann abweisen. Grund: der Gurt paste nicht ganz mit in dem Holzkasten, mit dem das Maß kontrolliert wurde. Glücklicherweise liess er sich dann doch noch erweichen - vielleicht auch, weil ich a) den Gurt auf die Tasche stopfte und ihm b) glaubhaft versicherte, dass ich mit genau dieser Tasche bereits an 4 Spieltagen die Eingangskontrolle hier passiert hatte. Der Inhalt der Tasche wurde übrigens nicht kontrolliert. Flachmänner oder kleine Handfeuerwaffen wären problemlos mit in die Halle gekommen, genau wie die riesigen HOlzratschen. Und die Turnbeutel, die einige Besucher unter den Winterjacken trugenm wurden auch nicht kontrolliert. Aber Hauptsache der Gurt schloss ab, wenn das Täschchen in das Kästchen gequetscht wurde.
In der Halle begann in diesen Minuten das Spiel um den 5. Platz und Portugal traf auf Schweden.
Aber - und der aufmerksame Leser kennt das Szenario bereits - wir hatten ja noch einzuhaltende Rituale in der Fanzone, die es abzuarbeiten galt: Fotobox, Obst werfen, Deutschland-Gesichtsbemalung abholen...
In der 'dänischen Umkleide' konnte man heute übrigens mit Infrarot-Gewehren schießen - oder es (wie in meinem Fall) wenigstens versuchen. Nicht mal mit Abstützen hab ich was getroffen...🫣 Ich möchte mich daher nicht im Detail zu meiner Trefferquoten äußern sondern umschreibe es lieber so:
Müsste ich mein Essen selbst erlegen, würde ich den Tieren wahrscheinlich das Gewehr an den Kopf schmeißen, um nicht zu verhungern.
Der Merchandise-Shop in der Halle hatte übrigens schnell umdekoriert und die Klamotten der französischen Mannschaft gegen kroatische Outfits getauscht. Ich bin mir nicht sicher, aber mit Blick auf die in der Halle anwesenden Kroaten glaube ich, dass hier wenig Umsatz generiert wurde - denn das rot-weiße Karomuster war schon allgegenwärtig.
Auf dem Weg in die Halle lief uns Mini Klein wieder über die Füße und auf sein Bauchgefühl angesprochen, rollte er mit den Augen und sagte, dass das heute nicht so gut wäre. Man merkte, dass ihn das ärgerte, denn er selbst sagte, dass er sonst immer ein gutes Bauchgefühl hatte. Deshalb gab es heute mit Mini und seinem Bauchgefühl auch kein Foto.
Wir bezogen unsere Plätze in Block L14 heute rechtzeitig und das war eine gute Idee, denn wie schon erwähnt waren reichlich Kroaten da und die hatten sich direkt im angrenzenden Block niedergelassen.
Ob die eingenommenen Plätze auch auf ihren Tickets ausgewiesenen wurden, wissen wir nicht, aber der Block war definitiv überfüllt. Irgendwie weckte das ein bisschen Erinnerungen an die EM Wien 2020. Dieses Jahr versuchten allerdings keine Kroaten, unsere Plätze einzunehmen oder unsere Tickets zu kontrollieren - immerhin. Die Fans standen überall, auch auf Treppenabgängen und vor den Stehplatzreihen, es wurden jedoch keine Ordner gesichtet und es blieb auch alles friedlich. In den Reihen vor uns fanden sich einige "neue" Gesicher von Fans, die erst zur Finalrunde angereist waren. Direkt von uns saß z.B. eine 3 köpfige Familie und während Vater & Sohn schon mit DHB-Trikots ausgestattet waren, hatte die Mutter sich beim Griff in den Kleiderschrank für ein Werder Bremen-Trikot entschieden. 😳 Sie hätte es ja nicht so mit Handball... Ihr irritierter Blick, als sie unsere Fischerhemden mit dem "Aus Hamburg für Deutschland"-Aufdruck sah, war Gold wert. Wir versicherten ihr jedoch glaubhaft, dass wir friedlich sind und nur gemeinsam Deutschland unterstützen wollten. Damit schien sie auch erstmal einverstanden zu sein. Es gab noch ein wenig Small Talk und dann begann das Spiel auch schon.
Gegen die lautstarken Kroaten hatten wir zwar akustisch kaum eine Chance, versuchten aber dennoch nach Kräften, unser Team nach vor zu peitschen. Zur Halbzeit lagen unsere Jungs mit 17-15 vor, aber das Spiel war trotzdem nervenaufreibend ausgeglichen.
Doch mit Beginn der zweiten Halbzeit gab es nach dem Anschlusstreffer der Kroaten plötzlich einen deutschen 5-0-Lauf, der das Ergebnis auf 22-16 hochschraubte. Beim 24-17 / 25-18 und beim 26-19 lagen wir zwischenzeitich sogar mit +7 vorn. Die Stimmung bei uns wurde immer besser, die Kroaten holten weiterhin das letzte aus ihren Stimmbändern raus und brüllten und sangen, was das Zeug hielt. Dies schien etwas zu wirken, denn der deutsche Vorsprung wurde zwar wieder kleiner, aber letztlich endete das Spiel mit einem deutschen 31-28-Erfolg, der uns ins Finale brachte. WOW - wer hätte das gedacht???? Zwischen Vorrundenaus und Finaleinzug lagen nur einige abgeknabberte Fingernägel und viele Haarraufereien.

Funfact: In den Spielunterbrechungen gab es wieder mehr oder weniger lustige Spielchen auf dem Video-Würfel. In dieser Partie war unter anderem auch das Look-a-Like-Spiel am Start, bei dem im Publikum Doppelgänger von Prominenten gesucht werden. Nachdem am ersten Spieltag der Hauptrunde mit Walldorf & Stettler alias Svenson & Kähte bereits sehr gute, überzeugende Doubles gefunden wurden, setzte der Regisseur dem Spiel heute die Krone auf. Zunächst wurde ein Foto vom dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen eingeblendet - um dann den dann anwesenden Mikkelsen auch als Doppelgänger zu zeigen. Großer Applaus - auch, weil er seine "Danmark"-Pudelmütze präsentierte und sich dafür feiern liess.
Es ist doch damit eigentlich nicht geschwindelt, wenn ich zukünftig erzähle, dass ich mal gemeinsam mit Mads Mikkelsen in Dänemark beim Handall war, oder??? 😎
Mit dem Wissen, dass Deutschland im Finale der Europameisterschaft steht, konnten wir erstmal durchatmen. Im zweiten Halfinale trafen die Dänen auf das Team aus Island und die Dänen mussten sich mächtig strecken. Island war gut aufgestellt und bot den Dänen lange paroli. Zur Halbzeit führten die Gastgeber mit 14-13. Auch in der zweiten Hälfte war das Spiel sehr ausgeglichen, erst beim 21-19 konnte sich ein Team auf 2 Tore absetzen. Letztlich gewannen die Dänen am Ende mit 31-28 und erzielten damit genau das gleiche Ergebnis wie Deutschland gegen Kroatien. Doch die Dänen mussten sich deutlich mehr anstrengen als zuvor vermutet. Wir fanden das gar nicht so schlecht, denn vielleicht waren hier ein paar Energie-Punkte auf der Strecke geblieben, die unter Umständen vielleicht ja am Sonntag im Finale fehlen würden. Wir würden sehen...
Wir wollten nach dem zweiten Halbfinale erstmal zurück nach Stauning in unsere Unterkunft, doch heute hatten wir etwas Wartezeit auf dem Parkplatz, denn gemeinsam mit uns wollten quasi noch 14.996 andere Menschen nach Hause fahren.
Im Ferienhaus angekommen sahen wir uns das deutsche Spiel nochmal bei Dyn an, ehe wir in die Hängematten-Betten fielen - zufrieden und glücklich, denn wir wussten nun ja, dass wir unser Team im letzten Turnierspiel nochmal sehen würden und natürlich auch, dass wir bei unserer Kartenbestellerei alles richtig gemacht hatten.
Wie die nächsten Tage laufen? Keine Ahnung, ich bin gespannt und voller Vorfreude. Ich werde berichten.